Sonntag, 1. Juni 2014

Lost in Action ... und ein neues Monatsprojekt

© snowy-stock deviant art

Der letzte Eintrag datiert auf dem 01. April und das ist auch nahezu das letzte mal dass ich geschrieben habe. Lange her, wenig passiert könnte man sagen. Dem ist aber nicht ganz so. Die Uni und die Arbeit haben ihr Recht gefordert, der eine oder andere Kilometer wurde gelaufen und seit der Erweckung meines geliebten Drahtesels aus dem Winterschlaf auch gefahren. Stippvisite im Allgäu, Brunchen, Abendessen, Fußballgucken und Co mit Freunden, der übliche Autorenstammtisch, die alljährliche Vappu-Party, neue Aufgaben als Vorstandsmitglied in der Deutsch Finnischen Gesellschaft Nürnberg und einige Versuche, beruflich endlich vorwärts, seitwärts, querwärts - auf alle Fälle irgendwo anders hin - zu kommen, haben statt gefunden.

Mein Projekt habe ich dabei nie ganz aus den Augen verloren aber es ist auf der Prioritätenliste nach hinten gewandert. Nicht weil ich es nicht mehr durchziehen möchte. Aber das Camp Nano im April kam einfach zu einem irgendwie letztendlich doch denkbar ungünstigen Zeitpunkt, denn die Umstrukturierung was Job und Uni angeht, muss dringender passieren. Allein schon deshalb, weil sie helfen würde, die zum Schreiben nötige Zeit und Ruhe bereit zu stellen.

Heute stolperte ich dann auf einer meiner Lieblingsseiten, The Everygirl, über deren neue Monatschallenge für den Monat Juni: 30 days of motivated mornings. Klingt gut, dachte ich mir, und hatte gleich im Kopf wie ich jeden Morgen eine halbe Stunde früher aufstehe um noch ein bisschen mehr Sport im Alltag unter zu bringen. So richtig blieb die Idee aber nicht hängen, denn ich stehe ohnehin schon seit Wochen an mehren Tagen früher auf um die eine oder andere Trainingseinheit unterzubringen (wow, das klingt jetzt wesentlich sportlicher als ich bin. Keine Sorge. Hauptberuflich bin ich immer noch Schreibtischtäter und lebe in Sofahausen). Dementsprechend blieb der Gedanke auch nicht wirklich hängen und machte mich nicht glücklich.

Ich las mich weiter durch die Vorschlagsliste und blieb als nächstes an der Idee hängen, die dreißig Extra-Minuten der Lektüre von vernachlässigten Büchern zu widmen. Ich habe aktuell so gut wie nichts zu lesen im Haus, komme maximal im Zug zur Arbeit dazu, fünf sechs Seiten zu lesen. Auch das also prinzipiell eine sehr praktikable Idee als Inhalt der Challenge, aber auch hier hielt die Begeisterung sich in Grenzen. Ich lese rein nach dem Lustprinzip und im Moment drängt es mich nicht zum Konsum des geschriebenen Wortes.

Letztendlich kam ich zu der einzig nutzbringenden Schlussfolgerung und  landete bei meiner eigenen kreativen Entfaltung. Warum nicht den Morgen mit einer Tasse Tee und 30 Minuten schreiben beginnen? (Warum in aller Welt ich erst im dritten Anlauf darauf gekommen bin will sich mir noch nicht so ganz erschließen... ich schiebe hier mal Betriebsblindheit vor). Ich habe noch nahezu ein komplettes Buch vor mir, dass sich in diesem Jahr Fertigstellung erhofft und dessen Charaktere in meinem Schädel immer wieder an die Tür zum Musenzimmer klopfen. Kapitel eins ist nach wie vor in Rohform fertig, Kapitel zwei ist begonnen und wichtige Entscheidungen für die Perspektive habe ich auch endlich getroffen. Es kann und soll also weitergehen an der Vampirfront.

Weil das ganze so wunderbar in mein Monatsprojekt-Format passt, nehme ich die Challenge als Inspiration und mache mein eigenes Projekt draus - dreißig mal dreißig. Nachdem ich heute morgen noch nicht wusste dass ich jetzt eine Challenge habe, wird der letzte Tag einfach hinten angehängt.

Ich stelle jetzt meinen Wecker und freue mich auf ein Wiedersehen mit meinen Charakteren zum morgendlichen Tee.



Dienstag, 1. April 2014

And so it begins!

http://campnanowrimo.org/

Vor einigen Tagen flatterte mir der Newsletter vom National Novel Writing Month Team in die Inbox, der den baldigen Beginn von Camp Nanowrimo ankündigte. Starttermin 01. April 2014. Das kam mir wie gerufen. Am NaNo, der jedes Jahr im November statt findet, habe ich schon zweimal erfolgreich teilgenommen.

Wer den NaNo nicht kennt, prinzpiell geht es dabei darum, im Laufe des Monats November ein Buch mit 50.000 Wörtern zu schreiben. Bedingung hierfür ist dass man etwas völlig neues anfängt, was man zwar schon geplottet haben darf, aber geschrieben sollte noch nichts sein.

Camp NaNo ist quasi die Sommerferienvariante dazu. Zum einen kann man sein angestrebtes Ziel ab der Mindestlänge von 10.000 Wörtern selbst festlegen. Zum anderen ist es jedem selbst überlassen ob er etwas neues schreibt, an einem alten Projekt arbeitet oder mehrere Sachen parallel bearbeitet.

Für mich kam Camp NaNo wie gerufen denn es fiel mit meinem eigenen Zeitplan perfekt zusammen. Ich habe allerdings auch schon etwas früher gestartet denn die erste Seite entstand schon am 30.03.2014. Das ist also quasi der Geburtstag von Anthea.

Als Ziel für den April habe ich mir 30.000 Wörter gesetzt. Das sind ca. 150 Normseiten, womit ein solider Anfang gemacht wäre und ich auch gut in meinem selbst gesetzten Rahmen liegen würde.

Was ich schon am "normalen" NaNo sehr schätze und was auch das Camp mit sich bringt ist der Effekt, denn man dadurch erhält dass man das ganze nicht allein, sondern als Gruppe angeht. Im Camp NaNo wird man mit anderen zusammen in eine "Cabin" eingeteilt, mit denen man sich dann über seinen Fortschritt austauschen kann. Ich habe meinen Austausch mit anderen Schreibwilligen und -wütigen zwar dank Alana eher auf eine Facebook-Gruppe verlegt (danke nochmal dafür, ich weiß jetzt schon dass mich das vermutlich retten wird sobald am Montag Uni und Arbeit wieder losgehen!) aber trotzdem ist die Camp-NaNo-Seite eine tolle Motivation, vor allem weil man dort seine Wortzahl ständig aktualisieren kann und damit immer weiß wie gut (oder nicht so gut... das wird spätestens die Monatsmitte zeigen...) man im Soll liegt.

Ich bin glücklich und zufrieden, dass es endlich losgeht!

Damit ihr auch etwas davon habt, hier ein kleiner Ausschnitt vom Anfang des ersten Kapitels:



Anthea krallte ihre Fingernägel in das Holz des Fensterbrettes als eine neue Welle des Schwindels sie überkam. Sie verlor jegliche Orientierung und alles was sie wahrnahm waren Farben und Gerüchte. Der Lavendelduft wurde unerträglich und gleichzeitig nahm die metallische, schwere Süße in der Luft zu. Ihr Herzschlag beschleunigte sich und sie spürte ihren Puls wie Trommelschläge unter der Haut. Das Rauschen ihres Blutes dröhnte in ihren Ohren und jeder Schlag mit dem ihr Herz es durch ihren Körper pumpte schien ihren Brustkorb sprengen zu wollen.






Freitag, 28. März 2014

Vorstellungsrunde: Anthea

Ich habe mich heute munter auf die Suche nach einigen Lieder gemacht, die für mein Projekt einen brauchbaren Soundtrack ergeben könnten. Dem fehlt noch einiges an Titeln, dafür hat sich aber sehr plötzlich ein ganz deutliches Bild meiner Protagonistin abgezeichnet. Bisher hatte ich eine vage Vorstellung von ihr, wusste mehr darüber was ihr passiert als wer sie wirklich ist. Das hat sich heute auf einen Schlag geändert.


Anthea June Marie Ruskins. 21. Geboren und aufgewachsen in London. Literaturstudentin. Vorliebe für die Postmoderne. Öffentliche-Verkehrsmittel-Verweigerin. Leidenschaftliche Radfahrerin. Zweitwohnsitz Starbucks. Praktisch veranlagt. Scheidungsskind mit gutem Verhältnis zu beiden Eltern. Mit Vernunftargumenten zu überzeugen, es sei denn es geht darum, flache Schuhe zu tragen. Kickboxerin. Hört Klassik wenn sie wütend ist. Raucht nur wenn sie trinkt. Besitzt nur das Notwendigste weil sie keine Ordnung halten kann, Chaos aber nicht aushält. Selten um eine Antwort verlegen. Liebt die Stille und den Sternenhimmel. Aufbrausend bis jähzornig. Einfühlsam. Ungeduldig. Diszipliniert. Lacht viel und gern. Hat gern klare Verhältnisse. Lässt sich durchs Leben treiben.

Motto: Ein Problem ist es erst, wenn eine Extra-Portion Sahne die Gesamtsituation auch nicht mehr retten kann.

Es brauchte nur zwei Musikstücke und schon war sie da. Einmal Passenger mit Feather on the Clyde (ja wir ignorieren hier an der Stelle gekonnt, dass der Songtext von Glasgow spricht und nehmen einfach die Stimmung und die eine oder andere Textzeitel daraus mit...):




 Zum anderen der gute alte Bach. Extra in dieser speziellen Version weil die U-Bahn die ganze Sache so schön urban macht und irgendwie eine Stimmung einfängt, wie sie mir für eine bestimmte Szene (die gar nichts mit U-Bahnen zu tun hat) vorschwebt.




Ich freu mich drauf mehr Zeit mit Anthea zu verbringen!


Donnerstag, 27. März 2014

Zurück aus dem Sinusitis-Nirvana - ein Schneeflocken-Update

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Ein Viertel des Jahres ist nahezu um. Unglaublich.
Die Hälfte davon habe ich eingewickelt in Decken auf meinem Sofa verbracht. Das hat immerhin dafür gesorgt dass ich es geschafft habe, die eine oder andere Serie anzuschauen und viel zu schlafen, andererseits stand es vielen Vorhaben aber auch grandios im Weg.

Im Idealfall ist nach dieser Runde (es ist mittlerweile die dritte...) Schluss mit Nasennebenhöhlenentzündung und ich kann meine Energie darauf verwenden, Dinge zu tun die eigentlich auf meiner To-Do-List für 2014 standen. Allem voran: schreiben.

Der Masterpost hat wieder ein kleines Update erhalten und ist eigentlich auch immer noch nicht ganz korrekt, denn auch die vier-seitige Plotzusammenfassung steht. Wenn man vom Ende absieht. Das bereitet mir nämlich noch ziemliches Kopfzerbrechen. Mit dem Plotverlauf bis dahin bin ich recht zufrieden, allerdings will und will mir nichts einfallen was die Sache würdig abschließt. Da werde ich meine Hirnwindungen noch ordentlich strapazieren müssen.


Bis Ende März wollte ich mit meiner Planung mit Hilfe der Schneeflockenmethode fertig sein. Ob es tatsächlich ganz bis Montag geschafft sein wird, weiß ich noch nicht aber ich bin guter Hoffnung.

Ein Post zum Gesamteindruck und meinem Umgang mit der Methode wird folgen, aber nachdem ich heute den Masterpost schon mit einem Update versehen habe, ist dort auch zu erkennen dass ich die ausführliche Charakterisierung für meine Figuren weggelassen habe.

Warum?

Ingermanson möchte, dass man sich mit seinen Charakteren schon vor dem Schreiben so vertraut wie möglich macht, damit die Geschichte ihnen gerecht werden kann. Die Herangehensweise ist logisch und macht in vielerlei Hinsicht Sinn. Trotzdem habe ich mich dagegen entschieden. Wenn ich meine Figuren finde, dann haben sie zumeist ein oder zwei herausstechende Charaktereigenschaften oder prägende Erlebnisse. Der Rest bleibt eine vage Idee. Die tatsächliche Ausprägung von Charakterzügen zeigt sich meist erst in der Auseinandersetzung mit anderen Figuren. Meine Charaktere entstehen dynamisch, und das ist eines der Dinge die ich am Schreiben immer am meisten genossen habe. Ich freue mich darauf zu sehen wie sie sich entwickeln und aufeinander reagieren.

Die kurzen Charakterbögen die sich aus Schritt 3 ergeben haben, haben viel Klarheit für Motive und Konflikte der einzelnen Figuren geschaffen und diese Grundlage genügt mir. Ingermansons Vorschläge zur genaueren Charakterisierung behalte ich aber im Hinterkopf, denn wenn es doch einmal irgendwo haken sollte, ist eine gründlichere Beleuchtung der Figur vielleicht genau das, was der Sache auf die Sprünge helfen kann.

Jetzt geht es daran, die Geschichte mit einem würdigen, spannenden Ende zu versehen und das ganze in ein Spreadsheet mit aufgeschlüsselten Szenen aufzubrechen. Darauf bin ich wirklich gespannt, denn immer wenn es arbeitsintensiv wird, bin ich für gewöhnlich leider die erste, die unter irgendwelchen fadenscheinigen Ausreden das Handtuch wirft. Demenstsprechend nehme ich das als meine ganz persönliche Herausforderung für die nächsten Tage an (irgendwozu muss die Tatsache, dass ich schon wieder krank geschrieben bin, ja schließlich gut sein oder? Wenn ich gerade eins habe, dann Zeit. Ein seltener Zustand, der genutzt werden will!).

So lange mir keine grandiose Idee für das Ende kommt, kann ich schließlich genauso gut Tabellen befüllen. Zudem geht es im Moment auch noch um die Frage, wer eigentlich außer Anthea noch Perspektivträger wird. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die ich mit Hilfe des Spreadsheets ganz gut durchprobieren kann.

Trotz der diversen Hindernisse in den letzten Monaten liege ich noch erstaunlich gut in meinem Zeitplan und freu mich jetzt schon aufs Schreiben. Bleibt noch abzuwarten wie gut sich das dann mit dem neuen Semester und 40-50-Stunden-Wochen verträgt, aber gut. Was wäre das Leben ohne die eine oder andere Herausforderung.

Freitag, 7. März 2014

Licht am Ende des Tunnels

Langsam geht es hier wieder bergauf.

Der Husten wird weniger (und ich kann nur hoffen, dass meine liebe Mitbewohnerin, die ich gerade beherzt aus ihrem Zimmer bis hierher husten hören kann, nicht weiter macht, Bazillen-Ping-Pong mit mir zu spielen. Davon hatten wir jetzt genug).

Die Fähigkeit, mehr als nur eine Aufgabe am Tag zu bewältigen habe ich heute abend auch direkt ausgenutzt.  Zwei weitere Kurzzusammenfassungen für meine Charaktere sind erledigt. Tat gut, endlich den Masterpost mit einem Update zu versehen (ich gestehe an dieser Stelle: beinahe wäre ich, statt zu plotten, in der Recherche für ein kleines Detail versumpft. Eine halbe Stunde wildes Klicken durch Wikipedia-Artikel, nur um festzustellen dass das nochmal zeitaufwändiger wird. Ganz ohne solche Ausritte wird es wohl nie abgehen).

Mit zwei Ausnahmen stehen jetzt im kurzem Abriss alle Hauptpersonen. Es fehlt der eine oder andere Nebencharakter, aber denen werde ich keine allzu lange Erläuterung zukommen lassen. Nebencharaktere entstehen bei mir zumeist bei Bedarf. Oft weiß ich wen oder was ich brauche, aber kennen lerne ich sie erst im Prozess des Schreibens. Das hält die Sache spannend und lässt mich ein bisschen flexibler sein.

Ab Mittwoch Nachmittag brechen hier dreieinhalb Wochen große Freiheit an. Dann ist die letzte Klausur erledigt. Das heißt dann: keine Uni, keine Termine, Teilzeit arbeiten. Dann kann der ausführliche Teil der Arbeit an der Schneeflocke losgehen. Die eine oder andere Recherche will auch noch getätigt werden.

Und dann... ja dann geht es los!


Sonntag, 2. März 2014

Recherche #3: Der Umgang mit dem Wissen

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Nach einigen Gedanken dazu, warum überhaupt recherchiert werden sollte, der Beantwortung der Frage nach der Freiheit des Autors und einem kurzen Überblick über die Quellen bleibt am Ende die Frage übrig: wie gehe ich mit all dem Wissen um, das ich mir angeeignet habe?

Zunächst einmal ist man immer geneigt, alles was man erfahren hat auch zu verwenden, denn dafür hat man es schließlich recherchiert. Doch hier wie überall ist das richtige Maß der Schlüssel zum Erfolg. Nicht alles was man herausgefunden hat ist von Interesse für den Leser. Es gibt verschiedene Arten, wie man das gesammelte Wissen gewinnbringend in seinem Text unterbringen kann.

Die direkte Verwendung von Rechercheergebnissen im Text

Der sichtbarste Weg, Informationen in einem Text unterzubringen ist es, diese Informationen einfach an entsprechender Stelle für den Leser aufzubereiten. Ein Charakter erzählt über ein historisches Ereignis, ein Forensiker erläutert eine Methode, der Erzähler beschreibt eine Stadt.

Diese direkte Vermittlung von Informationen ist oft notwendig und keineswegs eine "schlechte" Version. Aber es gibt Stolpersteine. Allen voran den sogenannten "Info-Dump". Der stellt im Fantasy-Bereich nochmal ein zusätzliches Problem dar, weil er häufig dazu verwendet wird dem Leser eine kurze Einfühung in die Welt zu geben, aber auch bei nicht fantastischen Texten kommt es vor, dass Autoren Abstäze oder sogar Seiten lang Informationen herunter rattern, die dem Leser helfen sollen zu verstehen was passiert. Das ist nicht nur unelegant sondern allem voran absolut langweilig zu lesen, denn während jemand etwas erklärt oder beschreibt, passiert nichts.

Der Leser sollte nicht das Gefühl erhalten, er wird jetzt mit Fakten vollgestopft, damit er der Handlung überhaupt noch folgen kann. Die für das Verständnis notwendigen Informationen sollten ihm nach und nach nahegebracht werden, wenn möglich auch auf unterschiedlichen Kanälen so dass keine Figur seitenlang monologisieren muss oder der Erzähler sich in endlosen Erklärungen ergeht.

Hat man den "Info-Dump" erfolgreich vermieden, stellt sich noch die Frage ob alle vermittelten Informationen für den Leser wirklich relevant sind. Nicht alles was man recherchiert hat und für einen selbst als Autor notwendig ist, muss der Leser wissen.


Recherche als Baustein für die Plotentwicklung

Viele Dinge, die man recherchiert, sind für einen Autor notwendig um den selben Wissensstand zu erhalten wie die Charaktere. Aber nur weil meine Forensikerin weiß wie sich Blut zusammen setzt und mit welchen Methoden man es analysieren kann heißt das nicht, dass sie auch jedesmal lang und breit darüber reden muss. Nicht jede Figur muss ihr Handeln dauerhaft kommentieren und erklären. Wichtig ist, dass sich der Charakter souverän in seinem Element bewegt, dass der Leser das Gefühl erhält, der Autor weiß wovon er schreibt und dass ihn Ungereimtheiten, die durch mangelnde Recherche auftreten könnten, nicht aus dem Lesefluss reißen. Eine Andeutung oder einfach die Verwendung von entsprechendem Vokabular reicht hierzu oft aus. In vielerlei Hinsicht kann man die so recherchierten Hintergründe von Figuren, aber auch von Orten oder ähnlichem, als Art Bühnenbild und Fundus verstehen. Die Erwähnung einer wissenschaftlichen Methode, einer tatsächlich vorhandenen U-Bahn-Haltestelle oder eines Stadtteils oder der Bezug auf ein historisches Ereignis der Zeit genügen oft, um ein realistisches Ambiete zu entwerfen.

Manchmal muss man für bestimmte Charaktere herausfinden, welche mögliche Wege es gibt um bis an die Karriereposition, in das Krankheitsstadium, etc.  zu kommen, an der er sich in der Geschichte aktuell befindet. Diese Informationen können teilweise sehr umfassend werden, sind aber für den Charakter im hier und jetzt der Geschichte nur bedingt relevant. Sie haben ihn oder sie zu der Person gemacht, die der Leser kennen lernt. Daher ist das Wissen um diese Entwicklungen relevant für den Autor, nicht jedoch für den Leser. Es hilft dem Autor jedoch, ein realistisches Bild der Figur zu entwickeln. Es gibt Grundlagen auf deren Basis der Charakter seine Entscheidungen trifft. Eine dieser Episoden anzureißen hilft, die Figur plastisch und realistisch erscheinen zu lassen. Dem Leser die komplette Lebensgeschichte der Figur VOR der eigentlichen Handlung zu präsentieren führt jedoch vermutlich höchstens dazu, dass dieser sich die Frage stellt, welche Geschichte denn nun eigentlich erzählt werden soll.

Fazit

Oft hat man viel und lange recherchiert und kann am Ende nur einen Bruchteil dessen mit in die Geschichte einbringen. Häufig erscheint die Zeit, die man in Recherche investiert hat daher verschwendet. Doch das ist ein Trugschluss. Ohne ein Einlesen in bestimmte Sachverhalte wären viele Plotideen vermutlich gar nicht entstanden. Am Ende zählt nicht, welche Informationen man wortwörtlich im Text untergebracht hat, sondern dass es gelungen ist, eine in sich geschlossene, glaubhafte Welt zu schaffen, innerhalb derer Charaktere handeln, die eine nachvollziehbare Entwicklung durchmachen und in ihrem jeweiligen Lebensraum realistisch verortet werden.

Das wichtigste Stichwort ist Balance. Nicht alles muss erklärt und bis ins Detail beschrieben werden. Informationen gehören an die richtige Stelle. Ereignisse und Erfahrungen, die prägend für einen Charakter sind. Orte, die von Bedeutung sind, sollten genauer beschrieben werden. Eine Analysemethode, die letztendlich den Täter überführt, sollte erklärt werden wenn sie für die Handlung relevant ist. Ein historisches Ereignis, das Einfluss auf die Handlung nimmt, kann ausführlicher beleuchtet werden. Bei anderen Dingen genügt es, wenn man auf der Basis des eigenen, neu gewonnenen Wissens schreibt, denn oftmals beschränkt es den Verlauf der Erzählung automatisch auf einen realistischen, angemessenen Rahmen ohne dass man sich erklären muss.

Recherche sollte vor allem als Werkzeug für den Autor verstanden werden. Sie gibt einem die Fähigkeit, die Geschichte an der man gerade arbeitet, überhaupt erst zu erzählen. In diesem Sinne ist sie ein Hilfsmittel, kein Ergebnis dass es am Ende zu präsentieren gilt.

Im besten Falle merkt man dem Buch Recherche nicht an, weil sie verschwindet. Der Leser hält sie für festes Wissen des Autors. Je unprätentiöser dieses dargeboten wird, desto leichter fällt es dem Leser, sich auf das eigentlich wichtige zu konzentrieren: die Geschichte. 

Die anderen Teile der Reihe:
 

Einführung: Fundiert Fantasieren - Recherche für Autoren 
Recherche #1: Was muss ich recherchieren? Wie frei ist ein Autor?
Recherche #2: Die Quellen. Der Prozess.

Sonntag, 23. Februar 2014

So ein Immunsystem wäre schon was nettes...

Weit und breit kein neuer Post zu sehen, denn ich bin mal wieder krank. Es ist fast ein bisschen ironisch. Über ein Jahr habe ich gebraucht um mental wieder klar zu kommen, Energie zu haben für mehr als nur aufstehen, arbeiten, auf dem Sofa von Serien berieseln zu lassen und wieder ins Bett zu gehen. Jetzt funktioniert das relativ gut, da macht mein Körper Pause. Zu behaupten ich wäre gerade nur ein bisschen frustriert kommt der Übertreibung des Jahrhunderts gleich. Leider hilft das auch nicht, dementsprechend ist jetzt aussitzen und gesund werden angesagt. Diesmal vielleicht für länger als eine knappe Woche. Das Programm der letzten Tage sah daher so aus:

#1 Wozu raus aus dem Pyjama, wenn man sowieso nur auf dem Sofa oder im Bett rumliegt? Kuschelige Flanellhose, T-Shirt und warme Fleece-Jacke. Hauptsache bequem.

#2 Tee, Tee, und noch mehr Tee. Dazu Vitamine. Irgendwann muss das Immunsystem doch einsehen dass man tatsächlich alles tut um ihm auf die Sprünge zu helfen.

#3 Essentiell: Hausschuhe. Meistens maximal eine halbe Stunde am Tag an den Füßen aber in der Zeit absolut unverzichtbar, denn die Böden hier sind wirklich kalt. Eine flauschige Decke gehört schon deshalb dazu, weil sie, egal ob man friert oder nicht, dem Wohlbefinden sehr zuträglich ist. 

#4 Entertainment. Allein auf dem Sofa rumliegen ist grandios langweilig und wenn einem noch dauernd schlecht ist, ist Ablenkung quasi lebensnotwendig. Von daher, Laptop, Buch (das leider bisher nicht sonderlich gut ist, aber was solls, es muss für eine Rezension gelesen werden) und ein letztes Mal Olympia.


Vom Urlaub hatte ich nur bedingt etwas. In der ersten Woche ein bisschen Olympia und viel lernen. Am Freitag dann auf der wunderbaren Konzertlesung von Samuel Harfst und Samuel Koch gewesen (ein Bericht folgt, es gibt viel was ich dazu los werden möchte!) und dann ab zur allerbesten besten Freundin der Welt. Samstag war super, grandioses Wetter, den halben Tag Wer bin ich? und irgendwelche Quizzes gespielt, in der Sonne gesessen, mit dem Hund draußen gewesen, essen gegangen. Ab Sonntag gings aber leider steil bergab und den Montag habe ich mehr oder minder komplett deliriös auf dem Sofa verbracht. Daher ging es auch erst mit einem Tag Verspätung am Mittwoch nach Hause. Die Klausur am Donnerstag war.. interessant. Sollte aber bestanden sein. Auf eine gute Note wage ich allerdings eher nicht zu hoffen. 

Die Erkältung ist wieder halbwegs besser, allerdings ist mir seit Tagen schlecht, es herrscht allgemeine Schlappheit und ich werde wohl morgen nochmal den Weg zum Arzt antreten um mich noch mal einige Tage krank schreiben zu lassen, in der Hoffnung dass sich das dann alles wieder gerade rückt. Im Idealfall geht dann hier auch wieder alles seinen gewohnten Gang. Bis dahin hoffe ich dass ihr alle gesünder seid und gucke ein bisschen sehnsüchtig nach draußen in den schönen Sonnenschein.